
von Dirk 15 Kommentare
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Lahmacun – mehr als nur türkische Pizza
Lahmacun wird hierzulande als “Türkische Pizza” verkauft. Das ist absurd, denn die Idee, einen dünnen Brotteig mit einer würzigen Lammfleischpaste zu bestreichen, ist weitaus älter als die beliebte italienische Pizza. Wer zuerst auf die Idee kam, lässt sich nicht mehr sicher sagen. Zahlreiche Volksstämme beanspruchen die Urheberschaft von Lahmacun für sich, darunter Griechen, Türken, Armenier und Syrer. Damit lässt sich zumindest das Kerngebiet des Ursprungs eingrenzen: Anatolien.
Die köstlichen Lahmacun (sprich: “Lahmadschun” mit leicht gehauchtem “h”) aus der Stadt Gaziantep liefern sich einen erbitterten Konkurrenzkampf mit denen aus Şanlıurfa, der Nachbarstadt Gazianteps. Beide beanspruchen die Urheberschaft auf die leckeren, gebackenen Fladen. Und ich muss sagen, sie sind beide gut. Eigentlich ist so ziemlich der einzige Unterschied, dass der Belag in Şanlıurfa Zwiebeln enthält, was die Menschen in Gaziantep für Frevel halten. Mein Kumpel und Kochkollegen Monsier Ibo stammt von dort. Mit ihm will ich es mir nicht verscherzen. Also kommen in mein Rezept auf keine Zwiebeln. Zumindest, so lange er hinschaut.
Drei Dinge sind wichtig für ein gutes Lahmacun: Lammhack (auch gemischt mit Rinderhack), ein guter Belag und ein heißer Ofen. Der Teig besteht aus einem einfachen Hefeteig, auch wenn ich glaube, dass das Original nur aus Wasser, Mehl, Salz bestand. Doch der Hefeteig geht besser auf. Solltet ihr eine Lievito Madre (Weizensauerteig) zu Hause haben, könnt ihr auch das Grundrezept mit Lievito Madre verwenden.
Damit die Fladen im Ofen gut aufgehen, braucht es Hitze. Am Besten von einem Brotbackstein (*). Den lasse ich für mindestens eine Stunde bei höchster Stufe im Backofen vorheizen. So geht das Backen der Lahmacuns ganz fix und der Teig wird schön kross. Ihr könnt sie auch direkt auf dem Boden eures Ofens backen, doch die Gefahr, dass sie dann verbrennen, ist groß.
Die Basis des Belags besteht, wie bei Acılı Ezme, aus Tomate, roter Paprika, grüner Sivri-Paprika und Petersilie. Die werden fein gehackt und mit dem Hackfleisch vermengt. Die Masse sollte recht feucht sein, was sich erstmal ungewöhnlich anfühlt. Doch so entsteht beim Backen eine schöne Saftigkeit.
Da ich mich gerade auf Meze – leckere, türkische Vorspeisen konzentriere, mache ich heute kleine Lahmacun. Man nennt sie auch „Fındık Lahmacun”. Das heißt soviel, wie “Nuss-Lahmacun”. Weil die Teigportion, aus der man jeweils ein kleines Lahmacun formt, nicht größer sein darf, als eine Walnuss. (Für die ganz Schlauen: Fındık sind eigentlich Haselnüsse, aber das wären dann sehr kleine Pizzen).
Gegessen werden die frisch gebackenen Lahmacun mit einem Spritzer Zitronensaft. Wer mag, kann auch einen schnellen Salat aus gewürfelten Tomaten, Salatgurke und roten Zwiebeln daraufgeben, der mit Sumak, Granatapfelsirup und Olivenöl angemacht ist. Köstlich!
250 g Mehl (Type 550)
175 ml Wasser (so nach Gefühl)
20 g frische Hefe (oder 7 g Trockenhefe)
½ TL Salz
Olivenöl zum Bestreichen
150 g Lammhack (oder halb Lamm/halb Rind)
1 Tomate
1 kleine rote Spitzpaprika
1 grüne Sivri-Paprika
1 handvoll Petersilie
1 EL Tomatenmark
1 TL Acı Pul Biber (scharfe türkische Paprikaflocken) (*)
Salz & Peffer nach Gefühl
Zitronenspalten
2 Tomaten
1 Stück Salatgurke
1 kleine rote Zwiebel
1 TL Sumach (*)
1 TL Granatapfelsirup (Nar Ekşisi) (*)
1 EL Olivenöl
Salz & Peffer nach Gefühl
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