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Ausland
„Ich lebe, und ich arbeite“
Montag 07.09.2009, 00:00 · von FOCUS-Korrespondent Boris Reitschuster (Moskau)
Erneut vor Gericht: Russlands prominentester Häftling, Michail Chodorkowskij, glaubt nicht mehr an einen fairen Prozess
Focus: Wie stichhaltig sind die neuen Vorwürfe gegen Sie? Sie sollen laut Staatsanwaltschaft Öl gestohlen haben, als Sie bereits im Gefängnis saßen. Wie fair ist dieser Prozess?

Chodorkowskij: Ich habe die Staatsanwälte im Gericht gefragt: „Wie bitte soll ich Ihrer Ansicht nach 350 Millionen Tonnen Öl ,heimlich geklaut´ haben, wie Sie mir vorwerfen, wenn der Kaufpreis für dieses Öl vollständig an die Verkäufer bezahlt worden ist und das Öl beim Kunden ankam?“ Ich bat die Ankläger, mir das zu erklären. Auch das Gericht hat ihnen vorgeschlagen, sie mögen das erläutern. Aber die Staatsanwälte weigerten sich, dies vor den Augen der Öffentlichkeit zu erklären. Und das Gericht sagte, es könne sie dazu nicht zwingen. Das zeigt deutlich, wie „begründet“ die Vorwürfe gegen mich sind.

Focus: Wird hinter Gittern Druck auf Sie ausgeübt?

Chodorkowskij: Der Druck auf mich war, nach russischen Maßstäben, nicht sehr stark: Isolationshaft in der Strafzelle des Gefängnisses. Die Verlegung in ein Gefängnis an einen Ort mit Uranminen, 6500 Kilometer von meiner Heimatstadt Moskau entfernt. Mehr als vier Jahre verschärfte Haftbedingungen mit Zelleneinschluss, bei dem man die Zelle nur für eine Stunde am Tag verlassen darf. Bei Besuchen meiner Verwandten gab es eine Trennscheibe, die das Sprechen nur per Telefon erlaubte. Aber niemand hat mich geschlagen, niemand hat mir Schlaf entzogen. Der Zwischenfall, als mich ein Mithäftling angriff und mit dem Messer auf mich einstach, ist glücklicherweise ohne schwerwiegende Folgen geblieben.

Focus: Wie sind Ihre Lebensbedingungen im Gefängnis?

Chodorkowskij: Wie ich es schon beschrieben habe. Bücher sind mir erlaubt, man hindert mich nicht daran, mit Papieren zu arbeiten, also Akten zu lesen und zu schreiben. Das ist das Wichtigste.

Focus: Wie schaffen Sie es, psychisch stabil zu bleiben?

Chodorkowskij: Ende 2006 wurde mir klar, dass sie versuchen werden, mich bis zu meinem Tod im Gefängnis zu lassen. Nach dieser Erkenntnis fiel mir alles leichter. Ich lebe. Und ich arbeite. Ich versuche, jeden Tag so viel wie möglich zu schaffen. Es gibt noch viel, was ich erledigen muss.

Focus: Fühlen Sie sich von der Öffentlichkeit vergessen?

Chodorkowskij: Die Regierung hat viel getan, um das zu erreichen. Aber bisher ist dieseRechnung nicht aufgegangen, zumindest den Meinungsumfragen zufolge. Der Fall Yukos ist zu einem Symbol geworden für das heutige Russland. Mich unterstützt eine bedeutende Zahl von russischen Intellektuellen, gebildete Menschen, aber auch solche, die einfach nicht gleichgültig sind. Ihnen allen bin ich sehr dankbar.

Focus: Präsident Medwedew hat dem Rechts-nihilismus den Kampf angesagt und versprochen, die Gerichte unabhängiger zu machen. Spüren Sie davon schon etwas?

Chodorkowskij: Ja, einige Änderungen gibt es. Wir wurden zur neuen Gerichtsverhandlung aus dem sibirischen Tschita nach Moskau überführt, so, wie es das Gesetz eigentlich von Anfang an vorgeschrieben hat. Das Verfassungsgericht und das Oberste Wirtschafts-Schiedsgericht haben inzwischen einige vernünftige Entscheidungen gefällt, die mit einer Reihe von früheren, illegalen gerichtlichen Praktiken gebrochen haben. Es werden positive Veränderungen im Zivilgesetzbuch vorbereitet. Aber trotz alledem: Bis zu einer Unabhängigkeit der Gerichte ist es noch ein weiter Weg. Die bisherigen Schritte haben bruchstückhaften Charakter und führen nicht zu wirklich qualitativen und unumkehrbaren Veränderungen.

Focus: Haben Sie überhaupt Hoffnung auf einen demokratischen Wandel in Russland?

Chodorkowskij: Wenn Präsident Medwedewseine Ankündigungen wahr macht, unabhängige und gerecht urteilende Gerichte zu schaf-fen, dann wird dies ohne Zweifel ein funda-mentaler Wandel. Aber solche Veränderungen können nicht schnell vor sich gehen; zumindest ein stilistischer Wandel ist jedoch bereits bemerkbar. Ich denke, Premier Putin hat das so vorgesehen. Der banditenhafte Stil, den ein Teil seiner Umgebung pflegt, ist ihm offenbar unangenehm geworden. Russland ist schließlich ein Land mit einer sehr alten Kultur.

Focus: Welche Kräfte sehen Sie hinter Ihrer Festnahme und der Zerschlagung Ihres Konzerns Yukos?

Chodorkowskij: Ich weiß, dass die Ereignisse um Yukos Resultat eines Kampfes zwischen verschiedenen Kräften in Putins Umgebung sind, den relativ liberalen Kräften auf der einen Seite und denen, die man ebenso relativ als Vertreter der Sicherheitsorgane bezeichnen könnte. Angefeuert wurde die Auseinandersetzung durch das instinktive Misstrauen Putins gegenüber dem prowestlichen Teil unserer Wirtschaftselite. Wie sich das Ganze dann weiterentwickelt hat – das ist schon Folge der ganz konkreten habgierigen Interessen bestimmter Personen.

Focus: Wladimir Putin sieht Russland als Energie-Großmacht. Wo sehen Sie Russland?

Chodorkowskij: Ich denke, die Idee mit der Energie-Weltmacht ist inzwischen nicht mehr sehr aktuell, auch wenn die „Energie-Waffe“ weiterhin einsatzbereit ist. Russland muss entweder eine postindustrielle Wirtschaft schaffen, eine innovative, wie wir das nennen, oder das Land wird den Wettbewerb mit China verlieren und sich zu einer Rohstoffprovinz mit einem sehr niedrigen Lebensstandard entwickeln. Ich hoffe auf Ersteres, aber ich fürchte Letzteres.

Focus: Was wollen Sie nach Ihrer Freilassung tun? Können Sie sich vorstellen, in die Politik zu gehen?

Chodorkowskij: Diese Frage wird mir oft gestellt. Ich kann sie nicht beantworten. In unserem Land hat sich zu viel verändert – und zu viel wird sich noch ändern.

„Sie werden versuchen, mich bis zu meinem Tod im Gefängnis zu lassen“

Michail Chodorkowskij

Eine Russische Karriere
* Als Chef des Yukos-Konzerns war Michail Chodorkowskij, 46, einst der reichste Mann Russlands. Vom dubiosen Privatisierungsgewinnler der Jelzin-Ära wandelte sich der frühere Komsomol-Funktionär zum Großunternehmer.

* In Konflikt mit Putin geriet er, als er Korruption kritisierte, die Opposition finanzierte und ohne Rücksprache mit dem Kreml Öl-Pipelines bauen wollte. 2003 wurde er wegen Steuerhinterzie-hung verhaftet.

Michail Chodorkowskij sitzt im Moskauer Gefängnis „Matrosenruhe“ ein und hat nur über seine Anwälte Kontakt zur Außenwelt. Die haben ihm die Fragen von FOCUS bei ihren Besuchen vorgelegt, und er diktierte die Antworten. Für den Häftling ist das nicht ohne Risiko: Im Jahr 2008 wurde Chodorkowskij für zwölf Tage in Einzelhaft in den Straftrakt des Gefängnisses verlegt, weil er auf dem gleichen Weg dem Schriftsteller Boris Akunin Fragen für ein russisches Magazin beantwortet hatte.

Die CAUSA Yukos
* Wie ein Staatsfeind

Im Oktober 2003 wurde der Unternehmer vom Geheimdienst verhaftet. In einem Schauprozess verurteilten ihn die Richter 2005 zu acht Jahren Gefängnis; mehrere Jahre saß er im Arbeitslager in Sibirien ab. Der Konzern wurde zer- schlagen und teilweise verstaatlicht.

* Kafkaesker Prozess
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Inzwischen wurde Chodorkowskij nach Moskau verlegt, wo er erneut vor Gericht steht – er soll Yukos, dessen Mehrheitseigner er war, um Erdöl im Wert von 19 Milliarden Euro bestohlen haben. Menschenrechtler bezeichnen die Vorwürfe als absurd und politisch motiviert.
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